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QOLONIA: Warum eine Kölner Marke mit Socken anfängt

Hakan Yasar hat mit QSOCKS klein angefangen und daraus QOLONIA gemacht. Im Gespräch erklärt er, warum Socken nur der Einstieg waren, was der Markenwechsel bringt und wie viel Köln in der Marke steckt.

von Josef Kujawski und Hakan Yasar9 Min. Lesezeit
Qolonia Socken - Produktfoto
Qolonia

QOLONIA startete 2022 als Einzelunternehmen, seit 2025 steht eine GmbH dahinter. Gründer Hakan Yasar über Produktentwicklung, kleine Auflagen, den Weg vom Sockenlabel zur Modemarke und darüber, warum der Name Köln im Kern trägt.

„Socken waren bewusst das Einstiegsprodukt“

Hakan, Socken gelten nicht unbedingt als Produkt, bei dem Menschen auf die nächste große Innovation warten. Was hast du darin gesehen, das andere übersehen haben?

Socken waren für uns von Anfang an bewusst das Einstiegsprodukt. Mit QSOCKS wollten wir zunächst einen klaren und überschaubaren Produktbereich aufbauen und dabei lernen, wie man eine Marke von Grund auf entwickelt.

Unsere Idee war aber nie, dauerhaft nur Socken zu verkaufen. Wir wollten Schritt für Schritt eine eigenständige Modemarke aufbauen. Socken bieten dafür einen guten Einstieg, weil sie ein alltägliches Produkt sind, bei dem Qualität, Passform, Design und Tragegefühl einen echten Unterschied machen können.

QSOCKS war also für uns nicht das Endziel, sondern der erste Schritt auf dem Weg zu QOLONIA.

Drei Jahre Einzelunternehmen, dann die GmbH

QOLONIA ist 2022 gestartet, die GmbH wurde aber erst 2025 gegründet. Was ist in diesen drei Jahren passiert – und welcher Moment hat dir gezeigt, dass daraus ein echtes Unternehmen werden kann?

Wir sind wirklich bei null gestartet, ohne Erfahrung und ohne großes Vorwissen. Genau deshalb haben wir uns bewusst gegen einen sofortigen Start mit einer GmbH entschieden und zunächst als Einzelunternehmen gearbeitet. Wir wollten das Risiko und die laufenden Kosten gering halten und gleichzeitig praktische Erfahrungen sammeln.

In diesen drei Jahren haben wir gelernt, was funktioniert, was nicht funktioniert und vor allem, was unsere Kunden wirklich erwarten. Wir haben unsere Produkte entwickelt, getestet, optimiert und unseren Vertrieb aufgebaut.

Mit den ersten Erfolgen wurde uns klar, dass daraus mehr entstehen kann. Wir waren nicht mehr nur neugierig auf das nächste Produkt, sondern hungrig darauf, daraus ein richtiges Unternehmen und langfristig eine Marke aufzubauen.

2025 war deshalb für uns ein wichtiger Wendepunkt: Wir haben die GmbH gegründet, unsere Strukturen professionalisiert und den nächsten Schritt gemacht, auch beim Markenauftritt von QSOCKS hin zu QOLONIA.

Vom Q und Colonia zur Marke

Auf älteren Inhalten taucht noch der Name „QSocks“ auf, heute heißt die Marke QOLONIA. Warum war dieser Markenwechsel notwendig – und was sollte QOLONIA ausdrücken, was der alte Name nicht konnte?

QSOCKS bleibt unsere Produktwelt für Socken. Als wir aber angefangen haben, über Socken hinauszudenken, wurde uns klar, dass wir dafür eine übergeordnete Marke brauchen.

So ist QOLONIA entstanden. Das „Q“ ist unser Logo und steht für Qualität. Gleichzeitig wollten wir eine Verbindung zu unserer Heimat Köln schaffen. Aus „Q“ und „Colonia“ ist deshalb QOLONIA entstanden.

Der Name soll zwei Dinge miteinander verbinden: unseren Anspruch an Qualität und unsere Herkunft aus Köln.

Wir wollen bewusst keine Marke sein, die über Masse und möglichst günstige Produktion funktioniert. Unser Anspruch ist, hochwertige Produkte zu entwickeln und dafür mit erfahrenen und renommierten Produktionspartnern zusammenzuarbeiten, auch wenn unsere Stückzahlen im Vergleich zu großen Konzernen zunächst klein sind.

Dass wir solche Produzenten trotzdem für uns gewinnen konnten, sehen wir als einen wichtigen Teil unserer Entwicklung.

Qualität, die man erst beim Tragen merkt

Der Sockenmarkt ist voll mit günstigen Multipacks und bekannten Marken. Woran erkennt ein Kunde den Qualitätsunterschied, bevor er eure Socken überhaupt einmal getragen und gewaschen hat?

Vor dem Kauf können wir den Kunden natürlich nur bis zu einem gewissen Grad über Bilder, Texte, Produktdetails und unsere Präsentation überzeugen. Die eigentliche Überzeugungsarbeit beginnt für uns aber mit dem ersten Tragen.

Wir haben unsere Socken sehr präzise entwickelt, vom Baumwollanteil über die Verarbeitung bis hin zu Design, Passform und Tragegefühl. Alle unsere Socken bestehen aus gekämmter Baumwolle. Unsere Sportsocken und Sneaker-Socken sind zusätzlich gepolstert und mit doppeltem Garn verarbeitet.

Bis wir mit dem Ergebnis zufrieden waren, haben wir mehrere Monate entwickelt und getestet. Unser Anspruch ist, dass eine Socke nicht nach wenigen Wäschen ihre Form oder ihr Tragegefühl verliert, sondern langfristig hochwertig bleibt.

Dass dieser Ansatz funktioniert, sehen wir auch am Kaufverhalten unserer Kunden. Ein großer Teil unserer Kunden bestellt erneut. Das ist für uns letztlich die wichtigste Bestätigung: Nicht das Versprechen auf der Website soll überzeugen, sondern das Produkt selbst.

Fehlerkontrolle vor der Produktion

Ihr testet neue Modelle nach eigener Aussage mehrere Monate im Alltag. Welches Produkt oder welcher Prototyp ist bei euch schon einmal komplett durchgefallen – und was habt ihr daraus gelernt?

Bisher hatten wir keinen Prototypen, den wir nach der Testphase komplett verwerfen mussten. Das liegt aber vor allem daran, dass unsere Fehlerkontrolle bereits vor der Produktion sehr intensiv ist.

Wir testen und optimieren unsere Produkte über mehrere Monate, bevor wir überhaupt größere Stückzahlen produzieren. Dadurch versuchen wir, Fehler nicht erst beim Kunden zu entdecken, sondern vorher.

Natürlich lernen wir trotzdem ständig dazu. Kundenfeedback ist für uns ein wichtiger Teil dieser Entwicklung. Wenn Kunden beispielsweise eine bestimmte Passform, Farbe oder Eigenschaft wünschen, sehen wir das nicht als Fehler, sondern als Möglichkeit, unser Produkt weiterzuentwickeln.

Unser Ziel ist deshalb nicht, möglichst viele Produkte auf den Markt zu bringen, sondern möglichst wenige, dafür sehr gut entwickelte Produkte.

Kleine Auflagen, geplante Nachfrage

Ihr produziert bewusst in kleinen Auflagen. Wie findest du die Balance zwischen Nachhaltigkeit, Kapitalbindung und dem Risiko, dass erfolgreiche Farben oder Größen plötzlich ausverkauft sind?

Kleine Auflagen bedeuten für uns nicht, dass wir einfach auf gut Glück produzieren. Im Gegenteil: Unsere Planung beginnt lange vor der eigentlichen Produktion.

Wir analysieren unsere bisherigen Verkäufe, testen Produkte und planen anschließend gezielt nach Farben, Größen und erwarteter Nachfrage. Dadurch versuchen wir, Überproduktion zu vermeiden und gleichzeitig ausreichend Bestand für unsere Kunden zu haben.

Ein weiterer Vorteil ist unsere Zusammenarbeit mit Produktionspartnern, die uns bei den Stückzahlen einen gewissen Spielraum ermöglichen. Gerade für eine junge Marke ist das wichtig, weil wir dadurch flexibler reagieren können.

Unser Ansatz ist deshalb: lieber strukturiert und kontrolliert wachsen, statt große Mengen zu produzieren, nur um möglichst niedrige Stückpreise zu erreichen.

Wo eine günstigere Produktion aufhört

Viele Textilmarken sprechen von Qualität und Nachhaltigkeit. Wie überprüfst du persönlich eure Produzenten – und an welcher Stelle würdest du eine günstigere Produktion konsequent ablehnen?

Für uns beginnt Qualität bereits beim Produzenten. Eine günstigere Produktion ist nicht automatisch schlecht, aber wenn der niedrigere Preis dadurch entsteht, dass bei Material, Verarbeitung oder Produktionsstandards eingespart wird, kommt das irgendwann beim Produkt an.

Ich vergleiche das gerne mit einem Motor: Ein Produkt besteht aus vielen einzelnen Komponenten. Wenn man an einer Stelle spart, kann das kurzfristig die Kosten senken, langfristig kann genau diese Einsparung aber die Qualität des gesamten Produkts beeinträchtigen.

Deshalb würden wir eine günstigere Produktion immer dann ablehnen, wenn wir dafür bei den Materialien, der Verarbeitung oder unserem Qualitätsanspruch Kompromisse machen müssten.

Wir wollen nicht die günstigste Socke verkaufen. Wir wollen eine Socke verkaufen, bei der der Kunde das Gefühl hat: Der höhere Preis hat einen nachvollziehbaren Grund.

B2C als Kern, B2B als Wachstumskanal

QOLONIA verkauft direkt an Endkunden, baut aber gleichzeitig den B2B-Vertrieb über Händler und Plattformen wie Faire aus. Welcher Vertriebsweg wird langfristig wichtiger – und wo verdient ihr heute tatsächlich Kunden, die wiederkommen?

Unser Kern bleibt ganz klar B2C. Dort haben wir den direkten Kontakt zu unseren Kunden und bekommen unmittelbar mit, wie unsere Produkte angenommen werden.

B2B bauen wir parallel und Schritt für Schritt auf. Plattformen und Handelspartner geben uns die Möglichkeit, unsere Reichweite zu erhöhen und neue Kundengruppen zu erreichen.

Langfristig sehe ich deshalb keinen Widerspruch zwischen beiden Bereichen. B2C bleibt für uns der Kern der Marke, während B2B ein wichtiger zusätzlicher Wachstumskanal werden kann.

Unsere wiederkehrenden Kunden kommen aktuell vor allem aus dem B2C-Bereich. Genau das ist für uns besonders wichtig, weil ein Wiederholungskauf zeigt, dass jemand nicht nur das Marketing, sondern tatsächlich das Produkt überzeugt hat.

Der Fünfjahresplan

Im Handelsregister ist das Ziel deutlich größer formuliert als das heutige Sortiment: Bekleidung, Schuhe sowie Sport-, Fitness- und Outdoorprodukte für den weltweiten Vertrieb. Wo soll QOLONIA in fünf Jahren stehen – und wie verhindert ihr, zu früh zu viel gleichzeitig zu machen?

Unser Ziel für die nächsten fünf Jahre ist klar: QOLONIA soll sich zu einer etablierten Marke entwickeln, die deutlich über Socken hinausgeht.

Wir wollen unser Sortiment Schritt für Schritt erweitern und langfristig nicht nur online, sondern auch im stationären Handel präsent sein. Eigene Stores sind dabei durchaus eine Perspektive.

Gleichzeitig wissen wir, dass eine Marke nicht dadurch stark wird, dass sie möglichst schnell möglichst viele Produkte anbietet. Deshalb wollen wir kontrolliert wachsen.

Jede neue Produktkategorie muss für uns einen Sinn ergeben und unseren Qualitätsanspruch erfüllen. Wir wollen lieber eine Kategorie nach der anderen richtig aufbauen, als zehn Kategorien gleichzeitig halbherzig zu bedienen.

Was in fünf Jahren genau möglich sein wird, lässt sich natürlich nicht vollständig vorhersehen. Aber die Richtung ist klar: QOLONIA soll eine eigenständige Marke mit einer starken Produktwelt werden.

Köln als Anfang, nicht als Grenze

Der Name QOLONIA verbindet die Marke sichtbar mit Köln. Was ist an der Geschichte und Haltung des Unternehmens wirklich kölsch – und funktioniert diese Identität auch, wenn ihr irgendwann international verkauft?

QOLONIA ist in Köln geboren und in Köln gestartet. Deshalb ist Köln für uns nicht einfach nur ein Bestandteil des Namens, sondern Teil unserer Geschichte.

Köln ist vielleicht nicht die klassische Modestadt wie Paris, Mailand oder Berlin. Aber Köln ist eine Stadt mit einer starken Gründer- und Unternehmenskultur. Viele erfolgreiche Unternehmen und Marken sind hier entstanden.

Genau diese Mentalität passt zu uns: Dinge ausprobieren, sich entwickeln, nicht alles zu ernst nehmen und trotzdem ambitioniert sein.

Unser erstes Ziel ist deshalb ganz klar Köln. Hier wollen wir wachsen, hier wollen wir unsere Marke bekannt machen und hier wollen wir unsere Basis schaffen.

Aber eine starke lokale Identität muss kein Hindernis für Internationalität sein. Im Gegenteil: Wenn eine Marke weiß, wo sie herkommt, kann sie auch selbstbewusst zeigen, wohin sie will.

Köln ist für QOLONIA also der Anfang, nicht die Grenze. Und warum sollte eine Marke wie QOLONIA nicht irgendwann selbst zu den Unternehmen gehören, die man mit Köln verbindet?

Das Interview wurde schriftlich geführt. Die Antworten sind ungekürzt und nur redaktionell formatiert.

Quellen und Belege

  1. 1. QOLONIA – Offizielle Website (öffnet in neuem Tab), QOLONIA (qolonia.de)
  2. 2. Schriftliches Interview mit Hakan Yasar, Eigenrecherche Übernehmer
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