Die drei Streifen sind zurück: Was die Adidas-Partnerschaft für den 1. FC Köln bedeutet
Nach 18 Jahren läuft der 1. FC Köln wieder in Adidas auf. Die neue Ausrüsterpartnerschaft umfasst Männer-, Frauen- und Nachwuchsmannschaften. Zum Start setzen Verein und Sportartikelhersteller stark auf ihre gemeinsame Geschichte und auf die Verbindung zwischen Fußball, Kölner Kultur und Mode.
Köln – Seit dem 1. Juli 2026 ist Adidas wieder offizieller Ausrüster des 1. FC Köln. Mit dem Beginn der Saison 2026/27 tragen nicht nur die Profis der Herrenmannschaft, sondern auch die Frauen- und Nachwuchsteams Kleidung des Sportartikelherstellers aus Herzogenaurach.
Die Rückkehr war bereits im Mai 2025 angekündigt worden. Der FC und sein bisheriger Ausrüster Hummel hatten sich darauf verständigt, ihre ursprünglich länger geplante Zusammenarbeit vorzeitig zum Ende der Saison 2025/26 zu beenden. Dadurch konnte Adidas ein Jahr früher als zunächst möglich übernehmen.
Für den Verein ist die Partnerschaft mehr als ein gewöhnlicher Wechsel des Trikotherstellers. Adidas ist eng mit einigen der erfolgreichsten Jahre der Kölner Vereinsgeschichte verbunden.
Gemeinsame Erfolge prägen die Partnerschaft
Der 1. FC Köln und Adidas arbeiteten bereits in mehreren Phasen zusammen. Besonders prägend war die Saison 1977/78, in der der FC Deutscher Meister und DFB-Pokalsieger wurde. Es ist bis heute das einzige Double der Vereinsgeschichte.
Auch bei den Pokalsiegen 1977 und 1983 spielte Köln in Adidas. Zuletzt war das Unternehmen von 2005 bis 2008 offizieller Ausrüster des Vereins. Mit dem Start der neuen Partnerschaft im Sommer 2026 kehren die drei Streifen damit nach 18 Jahren auf die FC-Trikots zurück.
Diese gemeinsame Vergangenheit spielt auch in der Kommunikation eine zentrale Rolle. Verein und Ausrüster präsentieren die Zusammenarbeit nicht als vollständigen Neuanfang, sondern als Fortsetzung einer historischen Verbindung.
Der wirtschaftliche Wert einer solchen Erzählung liegt auf der Hand: Retrodesigns, historische Vereinslogos und Erinnerungen an frühere Erfolge lassen sich sowohl im klassischen Trikotgeschäft als auch bei Freizeitkleidung und Sonderkollektionen einsetzen.
Klassisches Heimtrikot zum Neustart
Zum offiziellen Beginn der Partnerschaft stellten Adidas und der FC das Heimtrikot für die Saison 2026/27 vor. Es ist überwiegend weiß gestaltet und kombiniert die Vereinsfarbe Rot mit einzelnen schwarzen Elementen.
Zu den Merkmalen gehören die drei Adidas-Streifen, ein V-Ausschnitt, gestickte Vereins- und Markenlogos sowie ein FC-Schriftzug im Nacken. Das Trikot wird von den Männer-, Frauen- und Nachwuchsmannschaften getragen.
Das Erwachsenenmodell kostet regulär 99,95 Euro, die Kinderversion 74,95 Euro. Mitglieder des Vereins erhalten einen Preisnachlass. Verkauft wird das Trikot über die Fanshops des FC, den Vereinsshop, Adidas und ausgewählte Handelspartner.
Parallel zum Trikotstart eröffnete der Verein seinen Fanshop im Rhein-Center in Köln-Weiden an einem neuen Standort. Die Wiedereröffnung am 1. Juli wurde unmittelbar mit der neuen Adidas-Welt verbunden.
Kampagne setzt auf bekannte Kölner Gesichter
Der Start wurde von einer umfangreichen Kampagne begleitet. Im Mittelpunkt steht ein etwa 90 Sekunden langes Video, das den Verein mit der Stadt und ihrer Kultur verbindet.
Darin treten unter anderem FC-Legende Wolfgang Overath, der frühere Mannschaftskapitän Jonas Hector und BAP-Sänger Wolfgang Niedecken auf. Ergänzt werden sie durch Spielerinnen und Spieler aus den aktuellen Mannschaften sowie weitere Kölner Persönlichkeiten.
Die Auswahl zeigt, wie Verein und Ausrüster die Zusammenarbeit positionieren wollen. Es geht nicht ausschließlich um Sportbekleidung, sondern um den FC als Teil der kulturellen Identität Kölns.
Damit folgt die Kampagne einer Entwicklung, die bei Fußballvereinen seit Jahren zu beobachten ist: Trikots und Trainingskleidung werden zunehmend nicht nur als Sportartikel, sondern auch als Alltags- und Lifestyleprodukte vermarktet.
Blaues Ausweichtrikot greift die Vergangenheit auf
Mitte Juli präsentierten Adidas und der FC zusätzlich das Ausweichtrikot für die neue Saison. Es ist überwiegend blau und nimmt damit Bezug auf Trikots, die der Verein bereits Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre getragen hatte.
Die eigentlichen Vereinsfarben Rot und Weiß finden sich vor allem an Kragen, Ärmeln und in einzelnen Musterelementen wieder. Das Trikot kostet ebenfalls 99,95 Euro für Erwachsene beziehungsweise 74,95 Euro für Kinder.
Das blaue Design wurde unter den Fans unterschiedlich aufgenommen. Während ein Teil den Rückgriff auf ältere Vereinsmotive begrüßte, wurde das Trikot von anderen als zu weit von den traditionellen Vereinsfarben entfernt empfunden. Die Diskussion zeigt zugleich, wie viel Aufmerksamkeit inzwischen bereits einzelne Trikotvorstellungen erzeugen können.
Ende Juli folgten schließlich das rote Auswärtstrikot und eine ergänzende Originals-Kollektion. Auch dabei setzt die Partnerschaft auf historische Vereinsmotive und Kleidung, die außerhalb des Stadions getragen werden kann.
Partnerschaft umfasst den gesamten Verein
Anders als manche Ausrüsterverträge beschränkt sich die Vereinbarung nicht auf die männliche Profimannschaft. Sie umfasst ausdrücklich auch den Frauenfußball und die Nachwuchsmannschaften des 1. FC Köln.
Das ist für die öffentliche Wahrnehmung relevant. Die Frauenmannschaft und die Nachwuchsteams treten dadurch im selben Markenumfeld wie die Profis auf. Gleichzeitig kann der Verein Kollektionen und Kampagnen über mehrere Mannschaften hinweg entwickeln.
Nach Angaben des Vermarktungspartners Infront läuft die Vereinbarung über fünf Jahre. Offizielle Angaben zum finanziellen Gesamtvolumen wurden bislang nicht veröffentlicht.
Adidas stärkt die internationale Sichtbarkeit
Für den 1. FC Köln bietet die Zusammenarbeit vor allem zusätzliche Reichweite. Adidas gehört zu den weltweit bekanntesten Sportartikelmarken und verfügt über ein internationales Handels- und Vertriebsnetz.
Die FC-Produkte werden deshalb nicht mehr ausschließlich über die eigenen Fanshops und ausgewählte Fußballhändler verkauft, sondern auch über Adidas-Kanäle angeboten. Dadurch können Trikots und Kollektionen leichter Menschen erreichen, die nicht regelmäßig über die Vereinsmedien einkaufen.
Auch gegenüber Sponsoren kann die Marke eine Rolle spielen. Ein international bekannter Ausrüster erhöht die Sichtbarkeit von Kampagnen und kann die Vermarktung des Vereins über die Region hinaus unterstützen.
Wie groß dieser Effekt tatsächlich ausfällt, hängt allerdings von der sportlichen Entwicklung, der Nachfrage nach den Kollektionen und der gemeinsamen Aktivierung der Partnerschaft ab. Allein der Markenname garantiert noch keinen langfristigen wirtschaftlichen Erfolg.
Fußballtrikots werden zum Lifestyleprodukt
Der Wechsel zu Adidas steht auch für eine Veränderung des Merchandising-Geschäfts. Fußballtrikots werden längst nicht mehr nur an Spieltagen getragen. Retroshirts, Trainingsjacken und Freizeitkollektionen haben sich zu Modeprodukten entwickelt.
Für Vereine entstehen dadurch zusätzliche Erlösquellen. Neben dem Heim-, Auswärts- und Ausweichtrikot können Sondertrikots, historische Neuauflagen und saisonale Kollektionen verkauft werden.
Gerade beim 1. FC Köln ist dieses Potenzial groß. Der Verein verfügt über eine starke lokale Identität, bekannte historische Motive und eine ausgeprägte Fankultur. Adidas kann diese Elemente mit eigenen Archiven und klassischen Markenzeichen wie dem Trefoil-Logo verbinden.
Das rote Auswärtstrikot für 2026/27 greift beispielsweise ein Design auf, das vor knapp 50 Jahren eingesetzt wurde. Es kombiniert weiße Nadelstreifen mit dem historischen FC-Logo und dem klassischen Adidas-Trefoil.
Zwischen Tradition und wirtschaftlicher Strategie
Die Rückkehr von Adidas wird von Verein und Fans stark emotional aufgeladen. Die Erinnerung an Meisterschaft, Pokalerfolge und frühere Spieler bietet eine glaubwürdige Grundlage dafür.
Gleichzeitig handelt es sich um eine strategische Geschäftsbeziehung. Für den FC geht es um Erlöse aus Merchandising, internationale Reichweite und die Attraktivität für weitere Partner. Adidas erhält im Gegenzug Zugang zu einem traditionsreichen Verein mit großer regionaler Bindung und einer aktiven Anhängerschaft.
Ob die Partnerschaft erfolgreich wird, entscheidet sich deshalb nicht nur an der Gestaltung einzelner Trikots. Relevant wird sein, ob beide Seiten dauerhaft Kollektionen und Kampagnen entwickeln, die die Geschichte des Vereins aufgreifen, ohne sich ausschließlich auf Nostalgie zu verlassen.
Der Start zeigt bereits die Richtung: Der 1. FC Köln und Adidas wollen die gemeinsame Vergangenheit wirtschaftlich nutzen und gleichzeitig eine neue Verbindung zwischen Fußball, Kultur und Mode aufbauen.
Quellen und Belege
- 1. Ankündigung des Ausrüsterwechsels vom 14. Mai 2025 (öffnet in neuem Tab), 1. FC Köln (fc.de)
- 2. Vorstellung des Heimtrikots und der Launchkampagne vom 1. Juli 2026 (öffnet in neuem Tab), 1. FC Köln (fc.de)
- 3. Produktinformationen zum Heim-, Auswärts- und Ausweichtrikot 2026/27 (öffnet in neuem Tab), 1. FC Köln (fc.de)
- 4. Wiedereröffnung des Fanshops im Rhein-Center (öffnet in neuem Tab), 1. FC Köln (fc.de)
- 5. Berichterstattung zur Präsentation der neuen Adidas-Trikots (öffnet in neuem Tab), Kölner Stadt-Anzeiger (ksta.de)
- 6. Informationen zum Umfang und zur Laufzeit der Ausrüstervereinbarung (öffnet in neuem Tab), Infront Sports & Media (fc.de)
- 7. Einordnung des vorzeitigen Endes der Hummel-Partnerschaft (öffnet in neuem Tab), Football Business Journal (footballbusinessjournal.com)

