Kölner Marken-Deal: Kapten & Son übernimmt Pinqponq – und denkt über weitere Zukäufe nach
Die Kölner Lifestyle-Marke Pinqponq sollte ursprünglich eingestellt werden. Nun übernimmt mit Kapten & Son ein anderes Kölner Unternehmen die Marke und will sie eigenständig weiterführen. Der Deal ist nicht nur eine Rettung für den Markennamen, sondern zeigt auch, wie sich zwei bekannte Kölner Consumer-Unternehmen strategisch neu aufstellen.

Pinqponq bleibt Köln erhalten. Das Kölner Lifestyle-Unternehmen Kapten & Son hat die Rucksack- und Taschenmarke von FOND OF übernommen. Die Transaktion erfolgt als Asset Deal; der Kaufpreis wurde nicht veröffentlicht.
Für Pinqponq ist das eine überraschende Wendung. Noch im Juli hatte FOND OF angekündigt, den operativen Betrieb hinter der Marke einzustellen. Nun soll Pinqponq unter dem Dach von Kapten & Son als eigenständige Marke weitergeführt werden.
Damit wechselt eine bekannte Kölner Marke innerhalb der Stadt den Eigentümer: FOND OF und Kapten & Son haben beide ihren Hauptsitz in Köln und gehören zu den sichtbareren Unternehmen der deutschen Rucksack-, Taschen- und Lifestylebranche.
Pinqponq stand kurz vor dem Aus
FOND OF hatte sich im Sommer zunächst dafür entschieden, Pinqponq nicht weiterzuführen. Hinter der Marke stand bislang die FOND-OF-Tochter Baesiq.
Als Grund nannte das Unternehmen eine strategische Neuausrichtung. FOND OF will seine Ressourcen stärker auf Produkte konzentrieren, die Familien von der Babyzeit bis ins junge Erwachsenenalter begleiten. Das aktuelle Markenportfolio besteht aus Alvi, Affenzahn, ergobag, satch und AEVOR. Rund 300 Menschen arbeiten nach Angaben des Unternehmens am Kölner Hauptsitz und in weiteren Gesellschaften der Gruppe.
Der Rückzug aus Pinqponq hatte allerdings auch wirtschaftliche Gründe. Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtete im Juli, dass insbesondere hochpreisige Lifestyleprodukte für Erwachsene stärker unter Konsumzurückhaltung und wirtschaftlicher Unsicherheit litten als das Geschäft mit Produkten für Kinder.
Die Baesiq GmbH schrieb dem Bericht zufolge sowohl 2023 als auch 2024 Verluste von rund einer Million Euro. FOND OF hatte deshalb angekündigt, den operativen Betrieb der Gesellschaft einzustellen.
Ohne Käufer wäre damit voraussichtlich auch Pinqponq vom Markt verschwunden.
Die Marke überlebt – die bisherige Gesellschaft nicht
Die Übernahme durch Kapten & Son bedeutet allerdings nicht, dass die bisherige Pinqponq-Struktur vollständig übernommen wird.
Nach den bislang veröffentlichten Informationen handelt es sich um einen Asset Deal. Das Handelsblatt berichtet, dass dabei die Marke den Eigentümer wechselt und nicht die bisherige Gesellschaft übernommen wird. Die Einstellung des operativen Betriebs der Baesiq soll wie zuvor geplant erfolgen.
Damit bleiben auch die bereits angekündigten personellen Auswirkungen bestehen. Rund zehn Prozent der etwa 300 Stellen bei FOND OF waren nach Medienberichten von der Restrukturierung betroffen. Der European Restructuring Monitor von Eurofound führt für den Vorgang rund 30 geplante Stellenverluste auf.
Die Übernahme rettet also in erster Linie Pinqponq als Marke und Produktangebot, nicht automatisch die bisherige Unternehmensstruktur und sämtliche Arbeitsplätze dahinter.
Für Kapten & Son passt Pinqponq ins bestehende Geschäft
Strategisch ist die Übernahme nachvollziehbar. Kapten & Son und Pinqponq bewegen sich in ähnlichen Märkten, unterscheiden sich jedoch in Markenauftritt und Zielgruppe.
Kapten & Son wurde 2014 in Münster gegründet und hat seit 2018 seinen Hauptsitz in Köln. Zum Sortiment gehören inzwischen unter anderem Rucksäcke, Taschen, Reisegepäck, Sonnenbrillen, Jacken und weitere Accessoires.
Nach aktuellen Unternehmensangaben beschäftigt Kapten & Son mehr als 200 Menschen. Produkte der Marke sind in mehr als 50 Ländern erhältlich, außerdem arbeitet das Unternehmen mit mehr als 300 Handelspartnern zusammen. Neben dem Onlinegeschäft betreibt Kapten & Son eigene Stores – darunter einen Standort an der Ehrenstraße in Köln sowie Geschäfte in Städten wie London, Amsterdam, Wien, Berlin und Hamburg.
Pinqponq ergänzt dieses Portfolio um eine Marke, die ebenfalls stark über Rucksäcke und Taschen positioniert ist, gestalterisch aber eine eigene Identität aufgebaut hat.
Kapten & Son hat ausdrücklich angekündigt, diese Eigenständigkeit beibehalten zu wollen. Pinqponq soll also nicht einfach in die Hauptmarke integriert und anschließend vom Markt genommen werden.
Kapten & Son hatte Zukäufe schon länger auf dem Plan
Besonders interessant ist der Deal mit Blick auf die langfristige Unternehmensstrategie von Kapten & Son.
Bereits 2021 stieg die internationale Beteiligungsgesellschaft Ardian als Minderheitsinvestor bei dem Kölner Unternehmen ein. Damals sollte das zusätzliche Kapital insbesondere die Expansion in Europa unterstützen.
Zu diesem Zeitpunkt hatte Kapten & Son seinen Umsatz innerhalb von zwei Jahren auf mehr als 50 Millionen Euro gesteigert. Das Unternehmen beschäftigte damals mehr als 150 Menschen.
Bemerkenswert ist ein weiterer Punkt: Bereits beim Einstieg von Ardian spielte die Möglichkeit von Unternehmens- beziehungsweise Markenzukäufen eine Rolle. Kapten-&-Son-Mitgründer Artjem Weissbeck erklärte damals, man habe einen Partner gesucht, der das Unternehmen neben Internationalisierung und Wachstum auch bei möglichen Akquisitionen unterstützen könne.
Mit Pinqponq wird diese Strategie nun erstmals besonders sichtbar.
Und möglicherweise bleibt es nicht bei dieser Transaktion. Kapten-&-Son-Geschäftsführer Johannes Theobald hat im Zusammenhang mit der Übernahme erklärt, dass das Unternehmen auch künftig Möglichkeiten prüfen will, sein Markenportfolio gezielt zu erweitern.
Damit könnte sich Kapten & Son langfristig von einer einzelnen Lifestylemarke zu einem Unternehmen mit mehreren eigenständig geführten Consumer Brands entwickeln.
Zwei unterschiedliche Strategien am selben Standort
Der Deal ist auch deshalb interessant, weil FOND OF und Kapten & Son fast zeitgleich in entgegengesetzte Richtungen gehen.
FOND OF reduziert die Breite seines Portfolios und konzentriert seine Ressourcen stärker auf klar definierte Zielgruppen und Marken.
Kapten & Son erweitert sein Portfolio hingegen erstmals sichtbar durch eine externe Marke.
FOND OF positioniert sich inzwischen ausdrücklich als Unternehmen für Familien und junge Menschen. Ergobag adressiert Grundschulkinder, satch ältere Schülerinnen und Schüler, Affenzahn kleinere Kinder, Alvi Babys und Kleinkinder und AEVOR junge Erwachsene.
Pinqponq richtete sich dagegen stärker an erwachsene, urbane Konsumenten und passte damit weniger klar in diese neue Markenarchitektur.
Bei Kapten & Son entsteht diese Überschneidung nicht. Das Unternehmen ist bereits im Fashion-, Reise- und Lifestylemarkt für Erwachsene aktiv.
Pinqponq bleibt eine Kölner Marke
Für den Wirtschaftsstandort Köln ist bemerkenswert, dass die Marke nicht an einen internationalen Konzern oder einen Investor außerhalb der Region verkauft wurde.
Sowohl FOND OF als auch Kapten & Son sitzen in Köln. Pinqponq bleibt damit nach der Übernahme ebenfalls in der Stadt verankert.
Alle drei Markenwelten gehören zu einer Generation deutscher Consumer-Unternehmen, die stark über E-Commerce, Social Media, Design und Direct-to-Consumer-Vertrieb gewachsen sind.
Was passiert jetzt mit Pinqponq?
Viele operative Fragen sind bislang noch offen.
Kapten & Son hat bestätigt, dass Pinqponq eigenständig fortgeführt werden soll. Wie genau Vertrieb, Personal, Produktentwicklung, Onlineshop und stationärer Handel künftig organisiert werden, ist bisher jedoch nicht öffentlich im Detail beschrieben.
Auch der Kaufpreis des Asset Deals ist nicht bekannt.
Der bestehende Pinqponq-Onlineshop ist weiterhin erreichbar und bietet aktuell Rucksäcke, Taschen und Accessoires an.
Entscheidend wird nun sein, wie stark Kapten & Son die bestehende Markenidentität beibehält und an welchen Stellen gemeinsame Strukturen genutzt werden.
Naheliegend wären beispielsweise Synergien bei Einkauf, Logistik, E-Commerce, Performance-Marketing, internationalem Vertrieb oder Handelspartnern. Dass diese Bereiche tatsächlich zusammengelegt werden, wurde bislang allerdings nicht angekündigt.
Aus einer Einstellung wird eine Kölner Übernahmegeschichte
Noch wenige Wochen vor dem Verkauf sah es so aus, als würde Pinqponq nach mehr als einem Jahrzehnt vom Markt verschwinden.
Nun entsteht eine andere Geschichte: Eine Kölner Consumer-Marke übernimmt eine andere Kölner Consumer-Marke und führt sie weiter.
Für FOND OF schafft der Verkauf Klarheit bei der strategischen Neuausrichtung. Das Unternehmen kann sich auf seine fünf verbliebenen Marken konzentrieren.
Kapten & Son erhält dagegen eine etablierte zweite Marke und setzt damit einen Schritt um, der bereits seit dem Einstieg von Ardian als mögliche Wachstumsoption angelegt war.
Ob daraus langfristig eine größere Kölner Markenplattform entsteht, ist noch offen. Dass Kapten & Son weitere Übernahmen nicht ausschließt, macht den Pinqponq-Deal jedoch wirtschaftlich interessanter als eine reine Rettungsaktion.
Für Köln bleibt zunächst vor allem eines: Pinqponq verschwindet nicht – und die Marke bleibt in der Stadt.
Recherche der Redaktion auf Basis von zwölf geprüften Quellen, darunter Unternehmensangaben und Handelsregisterdaten.
Quellen und Belege
- 1. Handelsblatt – Fond Of verkauft Pinqponq an Kapten & Son (öffnet in neuem Tab), Handelsblatt (handelsblatt.com)
- 2. TextilWirtschaft – Kapten & Son übernimmt Pinqponq (öffnet in neuem Tab), TextilWirtschaft (textilwirtschaft.de)
- 3. Kölner Stadt-Anzeiger – Kapten & Son kauft Kölner Rucksackmarke (öffnet in neuem Tab), Kölner Stadt-Anzeiger (ksta.de)
- 4. Kölner Stadt-Anzeiger – Einstellung von Pinqponq und Restrukturierung (öffnet in neuem Tab), Kölner Stadt-Anzeiger (ksta.de)
- 5. FOND OF – Unternehmensprofil (öffnet in neuem Tab), FOND OF (fondof.de)
- 6. FOND OF – Markenportfolio (öffnet in neuem Tab), FOND OF (fondof.de)
- 7. Kapten & Son – Unternehmensprofil (öffnet in neuem Tab), Kapten & Son (kapten-son.com)
- 8. Kapten & Son – Stores (öffnet in neuem Tab), Kapten & Son (kapten-son.com)
- 9. Ardian – Einstieg bei Kapten & Son (öffnet in neuem Tab), Ardian (ardian.com)
- 10. Eurofound / European Restructuring Monitor (öffnet in neuem Tab), Eurofound (dev.eurofound.europa.eu)
- 11. Deutsche Startups – M&A-Einordnung (öffnet in neuem Tab), Deutsche Startups (deutsche-startups.de)
- 12. Pinqponq – Onlineshop (öffnet in neuem Tab), Pinqponq (pinqponq.com)
