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Standort· Wissenschaftsstandort Köln

Köln wird wichtiger Standort für die gemeinsame KI-Infrastruktur der NRW-Hochschulen

Mit dem neuen KI:Expertisezentrum.nrw bündeln die staatlichen Hochschulen in Nordrhein-Westfalen ihre Aktivitäten rund um künstliche Intelligenz. Die Universität zu Köln und die TH Köln gehören zum Kernteam. Das Land fördert das Vorhaben bis Ende 2030 mit rund 15,4 Millionen Euro.

von Josef Kujawski9 Min. Lesezeit
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Foto: Igor OmilaevaufUnsplash

Köln – Künstliche Intelligenz wird an Hochschulen inzwischen in der Forschung, in Lehrveranstaltungen und zunehmend auch in der Verwaltung eingesetzt. Gleichzeitig entstehen neue technische, rechtliche und organisatorische Fragen: Welche KI-Modelle können mit vertraulichen Daten genutzt werden? Wie lassen sich Beschäftigte und Studierende qualifizieren? Und muss jede Hochschule dafür eine eigene Infrastruktur entwickeln?

Mit dem neuen KI:Expertisezentrum.nrw sollen diese Aufgaben künftig stärker hochschulübergreifend bearbeitet werden. Das Zentrum hat am 1. Juli 2026 seine Arbeit aufgenommen. Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen stellt für das Projekt bis Ende 2030 rund 15,4 Millionen Euro zur Verfügung.

Angebot für 36 staatliche Hochschulen

Das Zentrum soll Studierenden sowie Beschäftigten aus Forschung, Lehre und Verwaltung einen zuverlässigen und datenschutzkonformen Zugang zu generativen KI-Modellen ermöglichen. Gleichzeitig sollen an den Hochschulen systematisch Kompetenzen im Umgang mit künstlicher Intelligenz aufgebaut werden.

Die Angebote richten sich an alle 36 staatlichen Hochschulen in Nordrhein-Westfalen. Die Leitung des Konsortiums liegt bei der Ruhr-Universität Bochum. Direkt am Aufbau beteiligt sind außerdem:

  • die Universität zu Köln
  • die TH Köln
  • die RWTH Aachen
  • die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
  • die FernUniversität in Hagen
  • die Fachhochschule Dortmund

Für Köln bedeutet das: Mit der Universität und der Technischen Hochschule sind gleich zwei Einrichtungen aus der Stadt an dem landesweiten Vorhaben beteiligt.

Drei Bereiche stehen im Mittelpunkt

Das KI:Expertisezentrum.nrw soll Kompetenzvermittlung, Softwareentwicklung und technische Infrastruktur unter einem gemeinsamen Dach verbinden. Das Projekt konzentriert sich dabei auf drei zentrale Handlungsfelder.

1\. Schulungen, Beratung und rechtliche Orientierung

Lehrende, Studierende und Beschäftigte in der Hochschulverwaltung sollen durch Schulungen, Beratungsangebote und Netzwerke beim Einsatz von KI unterstützt werden.

Auch rechtliche Fragestellungen sollen zentral bearbeitet werden. Dazu gehören beispielsweise Datenschutz, Urheberrecht und die rechtlichen Anforderungen an den Einsatz von KI-Systemen. Dadurch soll vermieden werden, dass jede Hochschule dieselben Grundsatzfragen unabhängig lösen muss.

2\. Gemeinsame technische Infrastruktur

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Betrieb von KI-Modellen innerhalb einer kontrollierten Hochschulinfrastruktur. Neben kommerziellen Angeboten sollen auch offene Modelle bereitgestellt werden.

Diese sogenannten Open-Weight-Modelle können lokal betrieben werden. Dadurch bleiben technische Kontrolle und Datenverarbeitung stärker innerhalb der Hochschullandschaft. Das ist insbesondere dann relevant, wenn vertrauliche Forschungs-, Verwaltungs- oder Hochschuldaten verarbeitet werden.

3\. Plattform und hochschulspezifische Anwendungen

Die Hochschulen sollen außerdem über eine landesweite Plattform auf verschiedene kommerzielle und nicht kommerzielle KI-Modelle zugreifen können.

Nach Angaben des Wissenschaftsministeriums wird der entsprechende, ursprünglich im Projekt KI:connect.nrw entwickelte Dienst bereits von mehreren Hochschulen genutzt. Das neue Zentrum soll diesen Ansatz ausbauen und zusätzlich spezialisierte Anwendungen für Studium, Lehre und Verwaltung koordinieren.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Verlässlichkeit der Ergebnisse. Das Zentrum will sich ausdrücklich damit beschäftigen, wie KI-Modelle möglichst faktentreue Antworten liefern können.

Universität zu Köln stellt technische Infrastruktur bereit

Die Universität zu Köln übernimmt innerhalb des Projekts eine wichtige technische Rolle. Nach Angaben der Hochschule sollen die Kompetenzen und Infrastrukturen der beteiligten Standorte gebündelt werden, um lokal betriebene Open-Weight-Modelle skalierbar und zuverlässig bereitzustellen.

Damit sollen auch Anwendungen möglich werden, die mit vertraulichen Informationen arbeiten oder erhebliche Rechenkapazitäten benötigen. Der Kölner Beitrag wird insbesondere durch das IT Center University of Cologne getragen.

Der Direktor des IT Centers und Chief Information Officer der Universität zu Köln, Professor Stefan Wesner, sieht in der gemeinsamen Infrastruktur eine Grundlage für neue KI-Anwendungen an den Hochschulen des Landes. Im Zentrum steht dabei die Möglichkeit, leistungsfähige Modelle lokal und unabhängig von einzelnen kommerziellen Plattformen zu betreiben.

Für Beschäftigte der Universität existiert bereits ein Zugang zu verschiedenen Sprachmodellen über KI:connect. Nach Angaben des IT Centers können darüber auch intern betriebene Modelle genutzt werden. Für bestimmte Angebote ist die Verarbeitung von als intern oder vertraulich eingestuften Informationen unter Beachtung der universitären Vorgaben möglich.

Drei bestehende Projekte werden zusammengeführt

Das KI:Expertisezentrum.nrw beginnt nicht bei null. Es führt drei bereits bestehende Projekte zusammen:

  • KI:edu.nrw beschäftigte sich mit künstlicher Intelligenz in Studium und Lehre. Dazu gehörten unter anderem Schulungen, Beratungsangebote und die Erprobung neuer didaktischer Konzepte.
  • KI:connect.nrw entwickelte einen gemeinsamen Zugang zu unterschiedlichen generativen KI-Modellen.
  • Open Source-KI.nrw konzentrierte sich auf die Bereitstellung offen verfügbarer Modelle innerhalb einer hochschuleigenen beziehungsweise landesweit kontrollierten Infrastruktur.

Durch die Zusammenführung sollen technische, didaktische und organisatorische Kompetenzen enger miteinander verbunden werden. Das KI:Expertisezentrum.nrw ist nach Angaben des Landes das bislang größte Projekt unter dem Dach der Digitalen Hochschule NRW.

Mehr digitale Souveränität für Hochschulen

Ein zentraler Begriff des Projekts ist die digitale Souveränität. Hochschulen sollen moderne KI-Systeme einsetzen können, ohne bei allen Anwendungen vollständig von einzelnen internationalen Technologieunternehmen abhängig zu sein.

Das bedeutet allerdings nicht, dass kommerzielle Angebote grundsätzlich ausgeschlossen werden. Die geplante Plattform soll sowohl kommerzielle als auch nicht kommerzielle Modelle zugänglich machen. Nutzerinnen und Nutzer sollen je nach Aufgabe, Datenschutzanforderung und Leistungsbedarf ein geeignetes System auswählen können.

Der parallele Betrieb verschiedener Modelle kann für Hochschulen mehrere Vorteile haben. Offene, lokal betriebene Systeme bieten mehr Kontrolle über die Datenverarbeitung. Kommerzielle Modelle können dagegen bei bestimmten Aufgaben leistungsfähiger oder einfacher nutzbar sein.

Das Zentrum verfolgt damit einen hybriden Ansatz: Die Hochschulen sollen Zugang zu aktuellen KI-Technologien erhalten und gleichzeitig eigene, kontrollierbare Alternativen aufbauen.

KI soll auch in der Verwaltung eingesetzt werden

Das Projekt richtet sich nicht ausschließlich an Forschung und Lehre. Ein eigener Schwerpunkt liegt auf möglichen Anwendungen in der Hochschulverwaltung.

Denkbar sind beispielsweise Systeme, die Beschäftigte bei der internen Informationssuche, der Strukturierung umfangreicher Dokumente oder der Bearbeitung wiederkehrender Anfragen unterstützen. Welche Anwendungen tatsächlich umgesetzt werden, soll hochschulübergreifend koordiniert werden.

Gerade in der Verwaltung müssen jedoch hohe Anforderungen an Datenschutz, Zugriffsrechte und die Kontrolle automatisierter Ergebnisse erfüllt werden. Das Zentrum soll dafür technische und rechtliche Grundlagen entwickeln, die von mehreren Hochschulen genutzt werden können.

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Foto: Igor Omilaev auf Unsplash

Gemeinsame Entwicklung statt einzelner Insellösungen

Der Aufbau einer eigenen KI-Infrastruktur ist für einzelne Hochschulen aufwendig. Neben leistungsfähiger Hardware werden technisches Fachpersonal, Datenschutzkonzepte, Schulungsangebote und dauerhaft gepflegte Software benötigt.

Durch die landesweite Zusammenarbeit können solche Ressourcen gemeinsam entwickelt und genutzt werden. Anwendungen, die an mehreren Hochschulen benötigt werden, müssen dadurch nicht mehrfach unabhängig programmiert werden.

Auch Erkenntnisse aus Pilotprojekten können schneller übertragen werden. Funktioniert eine Anwendung an einer Hochschule, kann sie grundsätzlich auch anderen Einrichtungen zur Verfügung gestellt werden.

Der Erfolg des Zentrums wird deshalb nicht allein an der verfügbaren Rechenleistung zu messen sein. Entscheidend wird sein, ob aus der Infrastruktur tatsächlich verlässliche, verständliche und im Hochschulalltag nutzbare Angebote entstehen.

Bedeutung für den Standort Köln

Für Köln stärkt das Projekt die Position als Wissenschafts- und Technologiestandort. Die Universität zu Köln ist nicht lediglich Nutzerin der neuen Angebote, sondern wirkt am Aufbau der zugrunde liegenden Infrastruktur mit.

Gleichzeitig ist auch die TH Köln Teil des Konsortiums. Damit fließen sowohl die technische Kompetenz einer großen Universität als auch die anwendungsorientierte Perspektive einer der größten Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Deutschland in das Projekt ein. Die konkrete Aufgabenverteilung zwischen den Projektpartnern wird im weiteren Verlauf des Vorhabens ausgestaltet.

Das KI:Expertisezentrum.nrw zeigt außerdem, dass die Entwicklung künstlicher Intelligenz nicht nur in privaten Technologieunternehmen stattfindet. Auch öffentlich finanzierte Hochschulen bauen eigene Strukturen auf, um KI-Systeme kontrolliert, datenschutzkonform und unabhängig einsetzen zu können.

Für die beiden beteiligten Kölner Hochschulen bietet das Projekt damit die Chance, die Nutzung von KI nicht nur zu begleiten, sondern technische und organisatorische Standards für ganz Nordrhein-Westfalen mitzuentwickeln.

Quellen und Belege

  1. 1. Nordrhein-westfälische Hochschulen bündeln ihre KI-Kompetenzen im KI:Expertisezentrum.nrw, 1. Juli 2026 (öffnet in neuem Tab), Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW (mkw.nrw)
  2. 2. Universität zu Köln ist Teil des neuen KI:Expertisezentrum.nrw, 15. Juli 2026 (öffnet in neuem Tab), Universität zu Köln (uni-koeln.de)
  3. 3. Informationen zur Beteiligung am KI:Expertisezentrum.nrw und zur KI-Infrastruktur (öffnet in neuem Tab), IT Center University of Cologne (itcc.uni-koeln.de)
  4. 4. Informationen zum Start, zur Struktur und zu den Aufgaben des KI:Expertisezentrums.nrw (öffnet in neuem Tab), KI:edu.nrw (ki-edu-nrw.ruhr-uni-bochum.de)
  5. 5. Beteiligte Hochschulen, Aufgaben und Struktur des Zentrums (öffnet in neuem Tab), KI:Expertisezentrum.nrw (ki-expertisezentrum.nrw)
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