Übernehmer
Standort· Kölner Norden

Mehr als 100 Millionen Euro in Niehl: Neuer Logistik-Campus soll Raum für rund 300 Arbeitsplätze schaffen

Die ThielemannGroup investiert mehr als 100 Millionen Euro in einen Logistik-Campus im Quartier FUSION COLOGNE am Niehler Hafen. Alleinige Mieterin soll die RECHT Logistik Gruppe werden.

von Josef Kujawski9 Min. Lesezeit
Luftaufnahme eines Logistik- und Hafenareals am Rhein mit Hallen, Container-Terminal und Schienenanbindung (Symbolbild)
Symbolbild: Übernehmer (KI-generiert)

Am Niehler Hafen nimmt eines der größten aktuellen Logistikprojekte Kölns konkrete Formen an. Die ThielemannGroup will mehr als 100 Millionen Euro in einen neuen Campus im Industrie- und Logistikquartier FUSION COLOGNE investieren. Auf knapp 102.000 Quadratmetern sollen zwei Logistikkomplexe entstehen. Den gesamten Standort will die RECHT Logistik Gruppe nutzen, die zugleich zentrale Unternehmensfunktionen nach Köln verlagern will. Der Baustart ist für Ende 2026 vorgesehen, steht allerdings noch unter dem Vorbehalt der Baugenehmigung.

Die Dimension ist auch für den Kölner Gewerbeimmobilienmarkt beachtlich. Insgesamt sind rund 63.700 Quadratmeter Gebäudefläche geplant, davon 52.854 Quadratmeter Hallen-, 3.902 Quadratmeter Büro- und 6.946 Quadratmeter Mezzaninefläche. Vorgesehen sind 51 Laderampen und sechs ebenerdige Tore. Zwei gegenüberliegende Hallenkomplexe mit jeweils drei Abschnitten sollen über einen gemeinsamen Ladehof funktional miteinander verbunden werden.

RECHT Logistik wird alleiniger Mieter

Mieterin des kompletten Campus soll die RECHT Logistik Gruppe werden. An dem neuen Standort will sie sowohl operative Logistik als auch Management und zentrale kaufmännische Funktionen zusammenführen. Nach Angaben der Projektpartner soll dabei auch der bisherige Unternehmenssitz der Gruppe nach Köln verlegt werden.

Ein wichtiger Kunde am Standort ist bereits benannt: RECHT soll in Niehl Logistikleistungen für den japanischen Elektrowerkzeughersteller Makita erbringen. Darüber hinaus sind Flächen für weitere Kundenprojekte vorgesehen. Makita wird damit nach dem derzeit veröffentlichten Stand allerdings nicht selbst Mieter des Campus. Vertragspartner für die gesamte Fläche ist RECHT Logistik.

Auch innerhalb der beteiligten Unternehmensgruppe hat sich 2026 einiges bewegt. Navid Thielemann baute seine Beteiligung an den beiden RECHT-Gesellschaften im Juni deutlich aus. Nach Unternehmensangaben hält er inzwischen 100 Prozent an der RECHT Kontraktlogistik GmbH und 82,5 Prozent an der RECHT Logistik GmbH. Der Kölner Campus ist damit Teil einer umfassenderen Expansionsstrategie in der Kontraktlogistik.

Rund 300 Arbeitsplätze, aber nicht zwingend 300 neue Stellen

Die Projektpartner sprechen davon, dass der Campus Raum für rund 300 qualifizierte Arbeitsplätze schaffen soll. Für die redaktionelle Einordnung ist die Formulierung wichtig: Aus der Mitteilung geht nicht hervor, dass sämtliche 300 Stellen zusätzliche, neu geschaffene Arbeitsplätze in Köln sein werden.

Da RECHT zugleich Management und kaufmännische Funktionen von seinem bisherigen Unternehmenssitz nach Köln verlagern will, dürfte zumindest ein Teil der Beschäftigung aus bestehenden Strukturen an den neuen Standort wechseln. Von „300 neuen Arbeitsplätzen“ zu sprechen, wäre deshalb auf Basis der derzeit bekannten Angaben zu weitgehend.

Baustart Ende 2026, Fertigstellung Anfang 2028

Die entscheidende vertragliche Grundlage wurde am 6. August 2026 mit der notariellen Beurkundung geschaffen. Der Bau selbst hat damit noch nicht begonnen. Nach Angaben von FUSION COLOGNE wird der Bauantrag derzeit vorbereitet. Nach Erteilung der Baugenehmigung soll der Baustart voraussichtlich Ende des vierten Quartals 2026 erfolgen. Die Übergabe des gesamten Campus ist für das erste Quartal 2028 vorgesehen.

Für Köln ist das Projekt zugleich die erste von FUSION COLOGNE aktuell als „offizielle Unternehmensansiedlung“ bezeichnete Vereinbarung auf dem neuen Quartiersareal.

Aus 140 Millionen und 500 Arbeitsplätzen wurde ein neues Konzept

Ganz neu ist das Vorhaben in Niehl allerdings nicht. Bereits im April 2024 hatten HGK und ThielemannGroup ein wesentlich anderes Konzept für das Grundstück präsentiert. Damals war von einem Investitionsvolumen von rund 140 Millionen Euro, zwei mehrgeschossigen Logistikimmobilien, etwa 90.000 Quadratmetern Logistikfläche und bis zu 500 Arbeitsplätzen die Rede. Eine der Immobilien sollte die ThielemannGroup selbst entwickeln, die zweite gemeinsam mit der HGK in einem Joint Venture.

Diese Planung wurde nicht in der ursprünglich angekündigten Form umgesetzt. Die aktuelle Projektmitteilung erklärt ausdrücklich, das Vorhaben sei in den vergangenen Monaten gemeinsam mit der Stadt Köln zu einem neuen, wirtschaftlich tragfähigen Nutzungskonzept weiterentwickelt worden. Statt der früher angekündigten Multi-Level-Lösung stehen nun zwei gegenüberliegende Hallenkomplexe mit insgesamt rund 63.700 Quadratmetern Gebäudefläche und einem Investitionsvolumen von mehr als 100 Millionen Euro im Mittelpunkt.

Damit sollte das aktuelle Projekt nicht einfach als verspäteter Baustart der 2024 angekündigten 140-Millionen-Euro-Investition beschrieben werden. Es handelt sich um die überarbeitete Fassung des Vorhabens mit anderen Kennzahlen.

Was ist FUSION COLOGNE?

Der neue RECHT-Campus ist nur ein Teil eines erheblich größeren Entwicklungsprojekts. FUSION COLOGNE wird von der HGK beziehungsweise ihrer Projektgesellschaft Fusion Cologne GmbH entwickelt und soll im Kölner Norden Produktion, Logistik, Forschung, Entwicklung und produktionsnahe Büroflächen miteinander verbinden.

Aktuell erstreckt sich das Entwicklungsquartier nach Angaben der HGK über rund 17 Hektar. Perspektivisch soll das ehemalige Industrieareal auf insgesamt rund 55 Hektar beziehungsweise 550.000 Quadratmeter erweitert werden. Der Masterplan von 2022 sah langfristig ein Potenzial von bis zu 2.000 Arbeitsplätzen vor. Diese Zahl ist als Zielgröße des damaligen Gesamtkonzepts zu verstehen, nicht als bereits gesicherte Beschäftigung.

Der Ansatz geht über einen klassischen Logistikpark hinaus. Vorgesehen sind flexibel aufteilbare Grundstücke für produzierende Unternehmen, Logistiker, Forschung und Entwicklung sowie ergänzende Büro- und Dienstleistungsnutzungen. Bauhöhen von bis zu etwa 22 Metern sollen eine vergleichsweise intensive Nutzung knapper Gewerbeflächen ermöglichen.

Hinzu kommt ein hoher Nachhaltigkeitsanspruch. Das Quartier hat ein DGNB-Vorzertifikat in Gold erhalten. Bewertet wurden unter anderem Flächeneffizienz, Mobilitätsinfrastruktur, Freiraumgestaltung und Wasserkreisläufe.

Wie viel Fläche ist bei FUSION COLOGNE noch frei?

Hier lohnt sich eine genaue Unterscheidung zwischen Gesamtpotenzial, aktuell entwickelter Fläche und tatsächlich sofort vermarktbarer Fläche.

Der derzeitige Entwicklungsabschnitt umfasst nach aktuellen Projektangaben rund 17 Hektar. Davon beansprucht der neue Thielemann-/RECHT-Campus etwa 101.900 Quadratmeter. Langfristig soll FUSION COLOGNE auf rund 55 Hektar wachsen. Rechnerisch liegen zwischen dem heutigen 17-Hektar-Stand und dem langfristigen Ziel damit weitere rund 38 Hektar Entwicklungspotenzial.

Diese 38 Hektar sind jedoch nicht mit aktuell verfügbaren Baugrundstücken gleichzusetzen. Auch für die verbleibenden Flächen des gegenwärtigen 17-Hektar-Abschnitts veröffentlicht FUSION COLOGNE derzeit keine belastbare aktuelle Gesamtzahl nach dem Muster „noch X Quadratmeter sofort verfügbar“. Eine solche Restfläche aus den veröffentlichten Grundstücksgrößen einfach auszurechnen, wäre irreführend, weil Erschließungs-, Infrastruktur- und Quartiersflächen sowie weitere Planungen berücksichtigt werden müssen.

Bereits 2023 hatte FUSION COLOGNE für die ersten drei vorbereiteten Grundstücke insgesamt rund 174.000 Quadratmeter genannt. Die Projektentwicklung ist seitdem jedoch mehrfach verändert worden. Eine aktuelle Zahl der frei vermarktbaren Nettofläche sollte deshalb erst verwendet werden, wenn HGK beziehungsweise FUSION COLOGNE sie ausdrücklich bestätigt.

Welche weiteren Unternehmen sollen nach Niehl kommen?

Konkrete weitere Nutzerunternehmen nennt die aktuelle Projektkommunikation bislang nicht. Das Gesamtkonzept ist ausdrücklich für einen Mix aus Produktion, Logistik, Industrie, Forschung und Entwicklung ausgelegt, Namen künftiger Ansiedler sind derzeit aber nicht belastbar veröffentlicht.

In der Projektgeschichte gab es bereits andere Ankündigungen. So wurde 2023 der Immobilienentwickler Panattoni als erster Entwickler eines rund 57.900 Quadratmeter großen Teilstücks vorgestellt. Geplant war damals ein mehrgeschossiger Campus mit rund 45.000 Quadratmetern Nutzfläche für verschiedene Unternehmen. Panattoni war dabei Projektentwickler und nicht mit einem konkreten Nutzerunternehmen gleichzusetzen.

Die aktuelle Mitteilung vom August 2026 bezeichnet das Thielemann-/RECHT-Projekt nun ausdrücklich als erste offizielle Unternehmensansiedlung. Für eine aktuelle Liste weiterer Firmen reicht die Quellenlage deshalb nicht aus. Ältere Projektankündigungen sollten nicht ohne erneute Bestätigung als kommende Ansiedlungen dargestellt werden.

Warum Köln für Logistik attraktiv bleibt, obwohl Fläche knapp ist

Gerade die Flächenknappheit macht die Größenordnung des Projekts bemerkenswert. BNP Paribas Real Estate beschrieb den Kölner Lager- und Logistikmarkt Mitte 2026 als Markt mit weiterhin begrenztem Angebot, insbesondere bei kurzfristig verfügbaren Neubauflächen und in zentralen Stadtlagen. Trotzdem lag der Flächenumsatz im ersten Halbjahr mit rund 134.000 Quadratmetern etwa 20 Prozent über dem Zehnjahresdurchschnitt.

Dass Unternehmen dennoch nach Köln wollen, hat viel mit der Verkehrsinfrastruktur zu tun. FUSION COLOGNE liegt nahe dem Niehler Hafen, verfügt über eine Schienenanbindung und erreicht über kurze Zubringer das Autobahnnetz. Der Flughafen Köln/Bonn ergänzt die Infrastruktur für zeitkritische Warenströme. Der Standort selbst wird von FUSION COLOGNE deshalb vor allem als trimodal angebundenes Quartier über Straße, Schiene und Wasser vermarktet.

Dahinter steht ein etablierter Logistikcluster. Nach aktuellen Angaben der KölnBusiness Wirtschaftsförderung gibt es in Köln rund 4.600 Logistik- und Handelsunternehmen mit fast 80.000 Beschäftigten. 18 der 20 umsatzstärksten deutschen Logistikunternehmen verfügen demnach über eine Niederlassung oder ein Verteilzentrum in der Stadt.

FUSION COLOGNE versucht damit, ein zentrales Problem des Kölner Wirtschaftsstandorts zu lösen: Die Nachfrage nach gut angebundenen Gewerbe- und Logistikflächen trifft auf ein knappes Angebot. Statt neue Flächen am Stadtrand auszuweisen, wird in Niehl ein bestehendes Industrieareal neu entwickelt und dichter genutzt. Ob das Gesamtquartier tatsächlich bis auf 55 Hektar wächst und welche Unternehmen neben RECHT folgen, wird entscheidend dafür sein, welche wirtschaftliche Bedeutung FUSION COLOGNE langfristig erreicht.

Einordnung

Für den Kölner Wirtschaftsstandort ist vor allem die Kombination bemerkenswert: Ein Investment von mehr als 100 Millionen Euro trifft auf eine Branche, in der großflächige Neubauangebote innerhalb des Stadtgebiets rar sind. Gleichzeitig gewinnt Köln mit RECHT nicht nur einen großen Logistiknutzer, sondern nach heutiger Planung auch zentrale Unternehmensfunktionen.

Noch ist das Projekt aber ein Vorhaben und kein fertiger Standort. Die notarielle Vereinbarung ist erfolgt, der Bauantrag steht nach Angaben der Projektgesellschaft kurz vor der Einreichung beziehungsweise befindet sich in Vorbereitung, die Baugenehmigung ist Voraussetzung für den geplanten Baustart Ende 2026. Für die weitere Entwicklung von FUSION COLOGNE werden deshalb zwei Fragen besonders interessant: Wie schnell folgen weitere verbindliche Ansiedlungen und wie viel der langfristig vorgesehenen 55 Hektar kann tatsächlich entwickelt werden?

Recherche der Redaktion auf Basis von zwölf geprüften Quellen, darunter Projekt- und Standortangaben der Beteiligten.

Quellen und Belege

  1. 1. FUSION COLOGNE, „ThielemannGroup investiert in Logistik-Campus für RECHT Logistik Gruppe in Köln“, 7. August 2026 (öffnet in neuem Tab), FUSION COLOGNE (fusion-cologne.de)
  2. 2. ThielemannGroup, „ThielemannGroup investiert in Logistik-Campus für RECHT Logistik Gruppe in Köln“, 7. August 2026 (öffnet in neuem Tab), ThielemannGroup (thielemann-group.com)
  3. 3. HGK, Pressemitteilung zum Logistik-Campus, 7. August 2026 (öffnet in neuem Tab), HGK (hgk.de)
  4. 4. ThielemannGroup, „140-Millionen-Euro-Invest: Innovative Multi-Level-Logistikimmobilien am Top-Standort Köln“, 15. April 2024 (öffnet in neuem Tab), ThielemannGroup (thielemann-group.com)
  5. 5. ThielemannGroup, „ThielemannGroup investiert in RECHT Logistik Gruppe und stellt das Unternehmen neu auf“, 1. Juni 2026 (öffnet in neuem Tab), ThielemannGroup (thielemann-group.com)
  6. 6. FUSION COLOGNE, „Ein Quartier, viele Synergien“ (öffnet in neuem Tab), FUSION COLOGNE (fusion-cologne.de)
  7. 7. FUSION COLOGNE, „Ihr zentraler Standort in Europa“ (öffnet in neuem Tab), FUSION COLOGNE (fusion-cologne.de)
  8. 8. FUSION COLOGNE, „HGK präsentiert Masterplan für innovatives Industrie- und Logistik-Areal FUSION COLOGNE im Kölner Norden“, 23. November 2022 (öffnet in neuem Tab), FUSION COLOGNE (fusion-cologne.de)
  9. 9. FUSION COLOGNE, „Geländevorbereitende Maßnahmen im Plan“ (öffnet in neuem Tab), FUSION COLOGNE (fusion-cologne.de)
  10. 10. Panattoni, „Industrie- und Logistik-Quartier FUSION COLOGNE gewinnt Panattoni für den ersten Bauabschnitt“, 28. Juni 2023 (öffnet in neuem Tab), Panattoni (panattonieurope.com)
  11. 11. BNP Paribas Real Estate, „Logistikimmobilienmarkt Köln Q2 2026“ (öffnet in neuem Tab), BNP Paribas Real Estate (realestate.bnpparibas.de)
  12. 12. KölnBusiness Wirtschaftsförderung, „Logistik und Großhandel: Köln sorgt für Lösungen“ (öffnet in neuem Tab), KölnBusiness Wirtschaftsförderung (koeln.business)
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